(be aware) 2026

(be aware) 2026

(be aware) 2026 richtet den Blick auf die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Tasten, Orientieren sowie Aspekte des Verstehens, der Verständigung und der Fürsorge.

Alles ist gestaltbar!

Design wird hier als Gestaltung von Schnittstellen verstanden – zwischen Mensch und Umwelt, zwischen Körper, Raum und Information. Es geht nicht allein um visuelle Erscheinung, sondern um Erfahrungen, die alle Sinne einbeziehen und in Beziehung setzen. 

Gesucht werden Projekte, die Design als integrativen Prozess begreifen: als Entwicklung von Ideen, die Wahrnehmung erweitern, Interaktion ermöglichen und Zugänge schaffen. Die Beiträge sollen zeigen, wie Gestaltung reale Bedürfnisse adressiert und durch innovative Ansätze neue Formen der Teilhabe eröffnet.

Die Auszeichnung verschiebt den Fokus bewusst: weg von reiner Visualität hin zu Wirksamkeit. Im Mittelpunkt stehen Funktionalität, Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Relevanz und eine hohe soziale Reichweite. Die inklusive Wirkung des Designs und die Fähigkeit, inklusive Erfahrungen zu gestalten soll auf einer besonderen Ebene gewürdigt werden.

Die Bewertung erfolgt nicht primär über das Sichtbare, sondern über die Qualität der Vermittlung und die Zugänglichkeit der Idee. Entscheidend ist, wie Projekte erfahrbar gemacht werden – auch und insbesondere für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen. Dieser Perspektivenwechsel eröffnet neue Formen des Verstehens und erweitert den Begriff von Gestaltung.

Preisgeld

Für den (be aware) 2026 lobt der Verein mit der Unterstützung seiner Stifter:innen erneut die Preissumme von 10.000 € aus.

Der (be aware) Designpreis für Inklusion ist Teil des Programms von World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026.

WDC 2026 x (be aware) Designpreis für Inklusion


Nominees

Für den (be aware) Designpreis für Inklusion wurden Projekte aus 30 verschiedenen Hochschulen aus ganz Deutschland eingereicht. Folgende Projekte wurden nominiert:

ANEA – Barrierefreier gynäkologischer Untersuchungsstuhl

Suvi Lener
Hochschule Darmstadt

Trotz des rechtlich verankerten Anspruchs auf eine gleichberechtigte gynäkologische Versorgung bestehen weiterhin erhebliche Barrieren. Besonders Patient:innen mit körperlichen Einschränkungen stoßen auf bauliche, organisatorische und zeitliche Hürden, die Untersuchungen erschweren oder verhindern. Eine zentrale Barriere ist der Untersuchungsstuhl: Seine Gestaltung entscheidet darüber, ob ein sicherer Transfer und damit eine Behandlung überhaupt möglich sind.

ANEA ist ein barrierefreier gynäkologischer Untersuchungsstuhl, der einen gleichberechtigten, sicheren und würdevollen Zugang zur Versorgung ermöglicht. Nach den Prinzipien des Universal Design entwickelt, ist er keine Sonderlösung, sondern für Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen nutzbar. Ein integrierter Hebelifter unterstützt den selbstbestimmten Transfer, etwa aus dem Rollstuhl. Sitzhöhe, Rückenlehne und Neigung lassen sich flexibel an verschiedene Körpergrößen und Anforderungen anpassen. Eine integrierte Sitz- und Beinauflage führt sicher in die Untersuchungsposition. 

Das kompakte System reduziert zusätzliche Hilfsmittel und manuelle Transfers, entlastet das medizinische Personal und verbessert die Abläufe in der Praxis. ANEA verbindet funktionale Innovation mit sozialer Wirkung: Der Entwurf fördert Selbstbestimmung, Sicherheit und Teilhabe, schließt Versorgungslücken und trägt zu einer inklusiveren und respektvolleren gynäkologischen Versorgung bei.

maupe – Instrument für barrierefreie Kommunikation

Serafin Bodendorf, Andreas Dimpfl, Zoe Finkenzeller, Felix Geiger, Daniel Kroul, Saskia Schleicher, Gabriel Seibold, Felix Tamm, Kevin Welz, Marcel Winatschek
Technische Hochschule Augsburg

Für Menschen mit Behinderung ist verbale Kommunikation oft nur eingeschränkt möglich. Ziel des Projekts war die Suche nach einem anderen Weg der Verständigung und des Selbstausdrucks. Musik eröffnet hier besondere Möglichkeiten: Sie ist leicht zugänglich, spricht Emotionen unmittelbar an und ist nicht auf Sprache angewiesen. 

Das Musikinstrument maupe eröffnet genau diesen Zugang: intuitiv bedienbar, ohne Vorwissen nutzbar und geeignet, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Das raupenförmiges Instrument wird über drei einfache Bewegungen bedient: Ziehen, Drehen und Schütteln. Jede Bewegung erzeugt direkt einen eigenen, klar hörbaren Klang und gibt den Nutzenden somit direktes Feedback. Durch Tauschen der magnetisch befestigten Köpfe können nutzende zwischen Klangsets aus verschiedenen Genres wechseln.

Die besondere Stärke der maupe liegt in ihrer konsequent partizipativen Entwicklung: Gemeinsam mit dem Caritasverband für die Diözese Augsburg e. V. und dem Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg wurde über vier Workshops hinweg direkt mit der Zielgruppe getestet, beobachtet und weiterentwickelt. Von der Wahl der Interaktionen bis zum Produktdesign geht jede Design- und Technikentscheidung auf konkrete Erfahrungen mit den Nutzenden zurück. So ist ein Instrument entstanden, das nicht nur für, sondern mit Menschen mit Behinderung gestaltet wurde und soziale Interaktion und Selbstausdruck ohne Worte ermöglicht.

BeiStand – Ein Möbelstück für den letzten Lebensraum

Louise Richter
Bauhaus Universität Weimar

BeiStand ist ein neu gedachter Nachttisch für institutionelle Sterbesettings. Mit abnehmender Mobilität wird das unmittelbare Bettumfeld für viele Menschen zum letzten dauerhaft erreichbaren Lebensraum. Konventionelle Nachttische sind jedoch vor allem auf Stauraum, Reinigung und pflegerische Abläufe ausgerichtet. Gleichzeitig sind sie persönlicher Verfügungsraum der Patient:innen und werden von Angehörigen und Pflegepersonen mitgenutzt.

BeiStand setzt an dieser Überschneidung an. Ziel ist es, auch bei sich verändernden körperlichen Fähigkeiten kleine Handlungsspielräume, persönliche Aneignung und selbstständigen Zugriff möglichst lange zu unterstützen. Eine feste obere Ablage, ein von beiden Seiten zugängliches, um 360 Grad drehbares Innenfach und eine flexibel nutzbare untere Einheit gliedern unterschiedliche Nutzungsbereiche. Persönliche Dinge können sichtbar, körpernah und abhängig von Bettposition und Reichweite ausgerichtet werden. Eine Höhenverstellung ist als weiterer Entwicklungsschritt vorgesehen.

Der Inclusive-Design-Ansatz liegt nicht in einer Sonderlösung für eine einzelne Nutzer, sondern in der gemeinsamen Nutzbarkeit durch Patient, Angehörige und Pflegepersonen. Beidseitiger Zugriff, flexible Anordnung, verständliche Funktionsbereiche und die Anpassung an wechselnde Fähigkeiten verbinden institutionelle Anforderungen mit individueller Nutzung. 
BeiStand versteht Selbstbestimmung dabei nicht als vollständige Unabhängigkeit, sondern als Möglichkeit, trotz zunehmender Abhängigkeit Einfluss auf die eigene unmittelbare Umgebung zu behalten.

glân – Ein Reinigungstool für Rollstuhlreifen

Lina Steinbock
Muthesius Kunsthochschule Kiel

Wie fühlt es sich wohl an, nach einem regnerischen Tag nach Hause zu kommen und die Schuhe nicht ausziehen zu können? Damit sind in Deutschland ca. 2,9 Mio. Rollstuhlnutzende täglich konfrontiert. Schmutz und Nässe werden direkt in den Wohnraum getragen, während die Reifen-Reinigung meist umständlich mit einem Lappen erfolgt. Besonders bei Bewegungseinschränkungen ist dies eine Herausforderung. 

glân setzt genau hier an: Das mobile Reinigungstool lässt sich mit einer Bewegung temporär an der Rollstuhlbremse befestigen, einer neuen Schnittstelle. Während der Rollstuhl ein kurzes Stück bewegt wird, reinigen konkave Walzen die Reifen und sammeln Schmutz und Feuchtigkeit in einen integrierten Tank. Anschließend kann das Tool abgenommen und kompakt verstaut werden. So ist die Reinigung sowohl zu Hause als auch unterwegs möglich. 

Im Rahmen eines inklusiven Designprozesses prägten die Bedürfnisse, Perspektiven und die Kritik von Rollstuhlfahrenden die Entwicklung kontinuierlich von der ersten Idee bis zum finalen Prototyp. Die reduzierte Gestaltung fügt sich unaufdringlich an manuellen Rollstühlen ein. 

Die einfache Handhabung ermöglicht eine alltagstaugliche und intuitive Nutzung. Für das innovative Konzept wurde ein Patentantrag eingereicht. glân schafft eine einfache, eigenständige und niedrigschwellige Möglichkeit, einen bislang wenig beachteten Teil des Alltags zu erleichtern. Denn jeder Mensch hat ein Bedürfnis nach Sauberkeit und das Recht, sich im eigenen Alltag wohlzufühlen.

Monari – Schneidebrett zur einhändigen Nutzung

Marvin Müller
Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd 

Viele alltägliche Handlungen setzen voraus, dass beide Hände gleichzeitig unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Für Menschen, die nur eine Hand zuverlässig einsetzen können, wird Kochen dadurch zu einer konkreten Herausforderung. Die Arbeit untersucht, wie ein integratives Küchensystem gestaltet sein muss, um Fixieren, Schneiden und Zubereiten einhändig, sicher und ohne fremde Hilfe zu ermöglichen.

Ziel war eine Lösung, die notwendige Haltefunktionen nicht als zusätzliches medizinisches Hilfsmittel auslagert, sondern selbstverständlich in den Arbeitsablauf integriert. Schneidebrett und Haltehebel bilden dafür ein gemeinsames System: Das Brett schafft eine stabile Arbeitsfläche und dient als Gegenlager; durch Druck mit Bauch oder Hüfte wird der Hebel betätigt und fixiert den Gegenstand. So übernimmt das System die Haltefunktion, während die verfügbare Hand für das eigentliche Arbeiten frei bleibt.

Die besondere Stärke des Entwurfs liegt in dieser Verbindung von Funktion, Ergonomie und Gestaltung. Position und Anpresskraft lassen sich an Nutzungssituation und Gegenstand anpassen, der Hebel kann schnell entnommen werden. Dadurch bleibt das Produkt flexibel, reinigbar und kann als alltäglicher Gegenstand genutzt werden. 

Die Gestaltung hebt das Produkt bewusst von bestehenden Marktangeboten ab, die durch die typische Optik aus weißem Kunststoff oft wie medizinische Hilfsmittel wirken und dadurch Stigmatisierung verstärken. Der Entwurf entstand im kontinuierlichen Austausch mit einem Betroffenen, dessen praktische Erfahrungen die Entwicklung von Funktion, Bedienbarkeit und Gestaltung maßgeblich mitprägten.


Jury

Die interdisziplinär zusammengesetzte Jury bewertete die eingereichten Entwürfe gemäß der Kriterien des Inclusive Design Ansatzes.

Verena Bentele

Präsidentin Sozialverband VdK Deutschland

Ich engagiere mich in der Jury, weil innovative Ideen entscheidend sind, um Teilhabe voranzubringen und gesellschaftliche Veränderungen nachhaltig zu gestalten.

Prof.in Dr. Caroline Günther

Barrierefreies Planen und Bauen und Gebäudekunde, Frankfurt UAS

Gutes Design ist innovativ, interdisziplinär und inklusiv und sollte zukunftsorientierte Produkte und räumliche Konzepte fördern, Teilhabe ermöglichen und gesellschaftliche Vielfalt erfahrbar machen.

Edina Müller

Zweifache Goldmedaillen-Gewinnerin bei Paralympics

Gern habe ich für die Jury des Be aware Designpreises zugesagt, weil wir noch mehr innovative Ideen und Projekte brauchen, die Teilhabe ermöglichen und die tatsächlich umgesetzt werden. Dieser Preis macht sichtbar, wie Gestaltung Barrieren abbauen und gesellschaftliche Inklusion konkret voranbringen kann.

Porträt von Mathias Knigge mit kurzem Haar und einem grauen Pullover. Er steht vor einer Wand mit mehreren Papieren angespannt. Er lächelt freundlich in die Kamera.

Mathias Knigge

Geschäftsführer grauwert – Büro für Inklusion und demografiefeste Lösungen, Hamburg; Vorsitzender EDAD Design für Alle – Deutschland e.V.

Ein wichtiger Austausch, um gut gestalteten Lösungen und barrierefreier Zugänglichkeit eine Plattform zu bieten.

Anna Oestreich

Preisträgerin (be aware) 2023; UX Designerin mit einem Fokus auf inklusives, menschzentriertes Design im Gesundheitswesen

Design darf nicht im Elfenbeinturm entstehen, denn es formt die Realität aller. In Zeiten wachsender sozialer Ungerechtigkeit müssen sich Gestalter:innen dieser Verantwortung bewusst sein. Als Jurymitglied möchte ich Menschen ermutigen, die Design als Werkzeug für Partizipation einsetzen.

Frontales Porträt von Professorin Carlin Schreiber mit lockigem, hochgestecktem Haar. Sie trägt einen schwarzen Rollkragenpullover und schaut direkt in die Kamera. Der Hintergrund ist unscharf und fast einfarbig.

Prof.in Carolin Schreiber

Produktdesign, Studiengangsleiterin des Masterprogramms – Transformation Design und Social Design, FH Münster

Inklusive Designprozesse sind extrem aufwendig durchzuführen, aber alle Energie und Zeit wert. Sie müssen dringend sichtbarer werden.

Porträt von Wolfgang Sattler mit kurzem, weißem Haar und Bart. Er trägt eine dunkle Brille und ein dunkles Jackett über einem Hemd. Sein Blick ist freundlich in die Kamera gerichtet. Im Hintergrund ist eine unscharfe Wand mit grafischen Elementen und Schriftzügen zu erkennen.

Prof. em. Wolfgang Sattler

Vorsitzender des Universal Design Forum e.V.; Mitglied im Vorstand des Deutscher Designtag e.V.

Design gestaltet Realität- und damit Zugang, Teilhabe und Gerechtigkeit. Inklusive Gestaltung ist eine demokratische Notwendigkeit.


Preisverleihung

Die Preisverleihung findet am Abend des 20. Oktobers 2026 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main statt. Da die räumlichen Kapazitäten begrenzt sind, bitten wir bei Interesse um Kontaktaufnahme per E-Mail an beaware@designinclusion.de

Im Rahmen der Veranstaltung werden Modelle und begleitende Informationen zu den nominierten Projekten öffentlich ausgestellt.


Mit freundlicher Unterstützung von

Stadt Offenbach, Wirtschaftsförderung

(be aware) ist Teil des Programms von World Design Capital Frankfurt RheinMain.

Word Design Capital Frankfurt RheinMain 2026

WDC 2026 wird gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.