
Der Designpreis (be aware) hat sich inzwischen deutschlandweit zu einer renommierten Auszeichnung fรผr den Nachwuchs im Design entwickelt und trรคgt unserem Anspruch Rechnung, das Thema der Inklusion im Design stรคrker in den Fokus zu rรผcken. Es ist uns gelungen, mit Unterstรผtzung der Stadt Offenbach, der gemeinnรผtzigen Rolf und Edith Sandvoss-Stiftung, der Unternehmen Wรถhner GmbH & Co. KG und Mato GmbH & Co. KG sowie privaten Stifter:innen einen fรผr Studierende anspruchsvollen Wettbewerb zu etablieren. Die eingereichten Arbeiten zeigen wieder eindrucksvoll, welche Ideen und Lรถsungen es gibt, um Menschen mit Einschrรคnkungen einen besseren Zugang zur Lebenswelt zu ermรถglichen. (Prof. Frank Zebner, Vorstandsvorsitzender 2023)
Preisverleihung (be aware) 2023
Das Projekt โLoom – die smarte Tascheโ erhielt im Musuem angewandte Kunst in Frankfurt am Main den bundesweiten Designpreis (be aware) 2023. Aus 26 Hochschulen waren Arbeiten von Studierenden fรผr den Award eingereicht worden.
Anna Oestreich von der Fachhochschule Mรผnster wurde das Preisgeld in Hรถhe von 8.000 EUR im Rahmen einer Feierstunde รผberreicht. Mit der Tasche Loom liefert Anna Oestreich von der FH Mรผnster mit ihren behinderten Co-Desiger:innen eine Lรถsung, die Sicherheit bietet. Denn dieses Behรคltnis zum Transport persรถnlicher Dinge zeigt durch ein deutlich sichtbares grรผnes Lichtelement an, dass alle Gegenstรคnde vollstรคndig darin verstaut sind.
Durch die Unterstรผtzung von privaten Stifter:innen wurden fรผr den nationalen Designpreis fรผr Inklusion insgesamt 10.000 EUR ausgelobt. Der design inclusion e.V. hat den 5 weiteren nominierten Projekten ein Preisgeld in Hรถhe von je 400 EUR zukommen lassen, um ihr Engagement fรผr das Thema Inklusion im Design zu wรผrdigen.
(be aware) winner 2023
loom – die smarte Tasche
Anna Oestreich
FH Mรผnster, School of Design






Die Tasche โloomโ ist das Ergebnis eines partizipativen Designprozesses mit Menschen mit kognitiven Behinderungen der Franz Sales Werkstรคtten in Essen und unterstรผtzt ihren Wunsch, eigenstรคndig zu sein. โจโจMorgens vor der Arbeit die Tasche fรผr den Tag zu packen und allein mit dem Bus zur Arbeit fahren โ das erscheint auf den ersten Blick ganz alltรคglich. Fรผr Annas Co-Designer Patrick sind es jedoch Herausforderungen, die er รผber einen langen Zeitraum gelernt hat zu meistern. Gleichzeitig hat er den Wunsch, diese und weitere Tรคtigkeiten eigenstรคndig auszufรผhren, um irgendwann in einer eigenen Wohnung wohnen zu kรถnnen. โจโจ
Daher haben Anna und Patrick das Konzept fรผr eine interaktive Tasche entwickelt und erprobt, die im Alltag unterstรผtzt. Persรถnliche Dinge werden nicht nur eingepackt, sondern auch registriert. Ist der Tascheninhalt vollstรคndig, leuchtet ein helles grรผnes Licht. Wenn noch etwas fehlt, leuchtet es rot.
โจโจDas gibt ein Gefรผhl von Sicherheit โ Beim Packen am Morgen sowie unterwegs. Im Straรenverkehr sorgt es zudem fรผr eine gute Sichtbarkeit. Das Markieren der wichtigsten Gegenstรคnde mit RFID-Stickern hilft zusรคtzlich bei der Routinenbildung. Weitere Designkriterien, wie eine gute Einsicht und Erreichbarkeit des Inneren der Tasche oder die Trageposition vor dem Kรถrper, wurden in Co-Design-Workshops erarbeitet. Das simple Schnittmuster ist fรผr eine Fertigung in den Werkstรคtten optimiert.
Der liegen gelassene Schlรผssel am Arbeitsplatz oder der vergessene Regenschirm im Cafรฉ โ wir alle kennen solche Momente der Unachtsamkeit im Alltag und deren Folgen. Mit der Tasche Loom liefert Anna Oestreich von der FH Mรผnster eine Lรถsung, die Sicherheit bietet. Denn das Behรคltnis zum Transport persรถnlicher Dinge zeigt durch ein deutlich sichtbares grรผnes Lichtelement an, dass alle Gegenstรคnde vollstรคndig darin verstaut sind. Dafรผr sorgen RFID-Sticker, die einfach an Schlรผssel, Portemonnaie oder Glรผcksbringern angebracht werden kรถnnen.
Das Projekt รผberzeugt durch seinen inklusiven Designprozess. Die Idee und das Produkt entstanden in den Franz Sales Werkstรคtten fรผr Menschen mit kognitiven Einschrรคnkungen in Essen. Gemeinsam mit dem Co-Designer Patrick wurde das Alltagsproblem ausgewรคhlt und die Lรถsung entwickelt. Patrick hat nรคmlich den Wunsch, in nicht allzu ferner Zukunft seinen Alltag selbststรคndig zu meistern und eine eigene Wohnung ziehen zu kรถnnen. Die Tasche unterstรผtzt ihn auf diesem Weg, denn sie gibt ihm Sicherheit und hilft bei der Ausbildung wichtiger Routinen. Anne Oestreich hat mit ihrem Co-Designer den gesamten Entwicklungsprozess durchgefรผhrt, in Workshops Alltagsprobleme untersucht, Trageposition und Schnittmuster entwickelt und die Herstellung an die Mรถglichkeiten der Werkstatt angepasst. Auch die Dokumentation in einfacher Sprache zeigt den Co-Design-Prozess auf Augenhรถhe. Ein vorbildliches Beispiel fรผr partizipative Designarbeit. (Jurybegrรผndung)
Jury
Die interdisziplinรคr zusammengesetzte Jury bewertete die eingereichten Entwรผrfe gemรคร der Kriterien des Inclusive Design Ansatzes.

Verena Bentele
Prรคsidentin Sozialverband VdK Deutschland
Ich bin schon sehr gespannt auf die zu prรคmierenden Objekte. Design mit allen Sinnen zu erfahren, ist sehr spannend. Ich freue mich auf die Konzepte und die Menschen hinter der Idee.

Rรกul Krauthausen
Aktivist fรผr Inklusion und Barrierefreiheit; Grรผnder von SOZIALHELDEN e.V.
Mir ist diese Juryarbeit ein persรถnliches Anliegen. Denn sie vereint mein Interesse an Design mit dem Aktivismus fรผr behinderte Menschen. Ich freue mich auf Innovationen, die Inklusion voranbringen.

Mathias Knigge
Geschรคftsfรผhrer grauwert GmbH, Hamburg
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Prof.in Dr. Caroline Gรผnther
Barrierefreies Planen und Bauen und Gebรคudekunde, Frankfurt UAS
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Tara Monheim
Preistrรคgerin (be aware) 2021
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Moritz Hartstang
Preistrรคger (be aware) 2021
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Julia Hanisch
Geschรคftsfรผhrung Stiftung HfG Ulm
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Prof. Janina Schmidt
Prof.in fรผr Digital Design, HfG Offenbach
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(be aware) appreciated 2023
RollO
Inklusives Mobilitรคtskonzept aus der Perspektive der Fahrgรคste mit rollenden Mobilitรคtshilfen
Wei-Ping Lu
Kunsthochschule Berlin Weiรensee



Das gibt ein Gefรผhl von Sicherheit โ Beim Packen am Morgen sowie unterwegs. Im Straรenverkehr sorgt es zudem fรผr eine gute Sichtbarkeit. Das Markieren der wichtigsten Gegenstรคnde mit RFID-Stickern hilft zusรคtzlich bei der Routinenbildung. Weitere Designkriterien, wie eine gute Einsicht und Erreichbarkeit des Inneren der Tasche oder die Trageposition vor dem Kรถrper, wurden in Co-Design-Workshops erarbeitet. Das simple Schnittmuster ist fรผr eine Fertigung in den Werkstรคtten optimiert.
Bei der Gestaltung รถffentlicher Verkehrsmittel werden Menschen mit Behinderungen/Beeintrรคchtigungen selten priorisiert. Die Qualitรคt der gleichermaรen โfรผr alleโ geplanten Dienste kann fรผr sie unzureichend sein, da รผbersehene Details oft zu Hindernissen bei der Fahrt von A nach B fรผhren. Die damit verbundenen Kosten sind fรผr ihre Mobilitรคt nicht fรถrderlich. Dies gilt besonders in Gebieten mit geringer Verkehrsdichte.
Als eine barrierefreie Mobilitรคtslรถsung orientiert sich das RollO-Konzept in erster Linie an den Bedรผrfnissen von Rollstuhlfahrern und weitet sich dann auf andere Bedรผrfnisse aus. Fahrgรคste mit Rollatoren, Kinderwรคgen oder รคhnlichem profitieren ebenfalls davon. Dazu werden unterschiedliche Platzbedรผrfnisse (z.B. verschiedene Rollstรผhle) im Kleinbus dank des Raumvorteils vom E-Fahrgestell berรผcksichtigt.
Appreciated
Der design inclusion e.V. wรผrdigte die 5 weiteren nominierten Projekten mit einem Preisgeld in Hรถhe von je 400 โฌ fรผr ihr Engagement fรผr das Thema Inklusion im Design.
Unfolding Space
Ein Handschuh fรผr blinde Menschen zur haptischen Vermittlung rรคumlicher Informationen
Jakob Kilian
TH Kรถln, KISD Kรถln International School of Design




Der Unfolding Space Handschuh ist ein Open-Source Gerรคt zur sensorischen Substitution. Er รผbertrรคgt die relative Position und Entfernung von Objekten in der unmittelbaren Umgebung in Form von Vibrationsreizen auf den Handrรผcken. Er ermรถglicht blinden Menschen so die haptische Erkundung des sie umgebenden Raumes und unterstรผtzt sie bei Navigationsaufgaben wie Objekterkennung und Wegfindung. Der Prototyp ist sehr handlich, kann bereits unter realen Bedingungen eingesetzt werden, benรถtigt keine zusรคtzliche Technik und gibt ein unmittelbares und kontinuierliches Feedback, ohne optisch aufzufallen oder gewohnte Bewegungsablรคufe zu stรถren.
Das Grundprinzip der sensorischen Substitution besteht darin, dass das Gehirn in der Lage ist, Sinnesreize, die aufgrund von Beeintrรคchtigungen eines Sinnes nicht wahrgenommen werden kรถnnen, รผber einen anderen Sinneskanal aufzunehmen und somit zu ersetzen. Es gibt eine Reihe von Projekten, die sich mit diesem Phรคnomen beschรคftigt haben, bisher aber nur sehr wenige praktische Umsetzungen und somit auch nur eine verschwindend geringe Anzahl von nutzenden Personen. Wรคhrend die eingesetzte Technologie teilweise hoch entwickelt ist, mangelt es hรคufig an Design und Benutzerfreundlichkeit.
COOK/ABILITY
Ein Dienstleistungskonzept fรผr selbstbestimmtes Kochen im Alltag fรผr Menschen mit Tetraplegie
Marie Kurstjens
Bauhaus-Universitรคt Weimar




COOK/ABILITY ist ein Dienstleistungskonzept, welches Menschen mit einer kรถrperlichen Einschrรคnkung durch ein individualisiertes, intuitives und flexibles System mehr Selbstbestimmung beim Kochen ermรถglicht. COOK/ABILITY ist das Ergebnis eines dreiteiligen Entwurfs: das Produkt selbst, die Dienstleistung, in die das Produkt eingebettet ist und die App, die die Dienstleistung kommuniziert. Das Produkt besteht aus einem vollstรคndig individuell anpassbaren Griff, der mit einer groรen Produktfamilie verschiedenster Kรผchenwerkzeugen kombinierbar ist. Der Steckmechanismus spielt hierbei eine zentrale Rolle: er ermรถglicht ein intuitives Einsetzen und sicheres Arretieren sowie einfaches Wechseln der Kรผchenwerkzeuge. Die Dienstleistung ermรถglicht durch die App die Individualisierung des Griffes und die Auswahl der zur Verfรผgung stehenden Kรผchenwerkzeuge.
Durch seinen partizipativen Ansatz schafft COOK/ABILITY eine neue Erreichbarkeit, Selbstรคndigkeit und hierdurch mehr Inklusion. COOK/ABILITY ist so konzipiert, dass eine Ausweitung auf viele weitere Gruppen von Menschen mit kรถrperlichen Funktionsstรถrungen problemlos mรถglich ist.
BEYOND VISUAL DESIGN
Leitprinzipien fรผr barrierefreie Produkte fรผr visuell beeintrรคchtigte Menschen
Felix Cordes
Jeremias Lange
Hochschule fรผr Gestaltung Schwรคbisch Gmรผnd





Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, desto stรคrker setzt sich in der Gestaltung eine รผbermรครige Fokussierung auf den Sehsinn durch. Wir steuern digitale Systeme und Produkte durch grafische Oberflรคchen รผber Touchscreens und interagieren dabei meist ausschlieรlich mit Bildern hinter Glas. Dabei verfรผgen wir Menschen รผber mehrere Sinne, um unsere Umwelt wahrzunehmen โ aus gutem Grund. Von dieser Entwicklung sind besonders Menschen mit Seheinschrรคnkungen oder Blindheit betroffen. Sie werden durch den primรคr visuellen Fokus im digitalen Design gรคnzlich von der Digitalisierung ausgeschlossen.
Mit โBEYOND VISUAL DESIGNโ haben wir in unserer Masterthesis einen neuen Designstandard geschaffen, der fรผr inklusives Design digitaler Produkte sorgt und Interaktionen รผber das Visuelle hinaus, auf mehrere Sinne verlagert. Die Guidelines des โBEYOND VISUAL STANDARDโ haben den Anspruch nicht nur fรผr eine funktionale Barrierefreiheit zu sorgen, sondern zu zeigen, dass inklusive Produkte auch fรผr jeden Menschen attraktiv sein kรถnnen. Inklusion funktioniert besonders dann, wenn es keine zu erfรผllende Pflicht ist, sondern einen begehrenswerten Anreiz fรผr jeden bietet.
Ein Design fรผr alle?!
Reduzierung von Kommunikationsbarrieren mithilfe eines Gestaltungsleitfadens fรผr Designer:innen mit dem Ziel, gleichberechtigte Teilhabe und Inklusion zu fรถrdern
Valerie Arnz
Pauline Klimpel
ecosign Akademie fรผr Gestaltung, Hochschule Fresenius





Knapp 97% der weltweit wichtigsten Websites weisen Barrierefreiheitsmรคngel auf und das, obwohl es fรผr gleichberechtigte Teilhabe unerlรคsslich ist, digitale Barrierefreiheit mitzudenken. Diesem Problem haben wir uns gewidmet und einen Gestaltungsleitfaden fรผr barrierefreies Kommunikationsdesign entwickelt. Unser Ziel dabei ist es, Kommunikationsbarrieren zu reduzieren und mรถglichst vielen Menschen eine selbstbestimmte und barrierefreie Nutzung digitaler Medien zu ermรถglichen. โจโจDer Leitfaden wendet sich an Designer:innen, da sie tรคglich Informations- und Kommunikationsmedien gestalten und eine Schlรผsselfunktion bei der Etablierung von inklusivem Design รผbernehmen. Die besondere Stรคrke unserer Arbeit besteht deshalb darin, die positiven Effekte von barrierefreier Gestaltung zu multiplizieren und Aufklรคrungsarbeit zu leisten.
Preisverleihung
im Museum Angewandte Kunst (MAK)
in Frankfurt am Main






























