(be aware) 2021

Wir freuen uns, mit der erstmaligen Verleihung von (be aware) einen erfolgreichen Start für diesen Award und unser Anliegen des Inclusive Design umgesetzt zu haben. Es ist uns gelungen, mit Unterstützung der Samson AG und der Wöhner GmbH sowie privaten Stifter:innen einen für Studierende attraktiven und anspruchsvollen Wettbewerb zu initiieren. (Prof. Frank Zebner, Vorstandsvorsitzender 2021)

Preisverleihung (be aware) 2021

Das Projekt “LEIPS – Inklusion und Kommunikation” erhielt in Anwesenheit des Oberbürgermeisters der Stadt Offenbach Dr. Schwenke den nationalen Designpreis (be aware) 2021. Aus 22 Hochschulen waren Arbeiten von Studierenden für den Award eingereicht worden.

Tara Monheim und Moritz Hartstang von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd wurde das Preisgeld in Höhe von 5.000 EUR im Rahmen einer Feierstunde im Deutschen Ledermuseum überreicht. Mit ihrem Spiel LEIPS können Menschen mit verschiedenen Einschränkungen ohne Vorkenntnisse Barrieren aufgrund von Sprache und Schrift überwinden.

Außerdem erhielten 4 Projekte eine Anerkennung. Durch die Unterstützung von privaten Stifter:innen wurden für den nationalen Designpreis für Inklusion insgesamt 10.000 EUR ausgelobt. Der design inclusion e.V. hat den 10 weiteren nominierten Projekten ein Preisgeld in Höhe von je 500 EUR zukommen lassen, um ihr Engagement für das Thema Inklusion im Design zu würdigen. 

Die 64 eingereichten Arbeiten zeigen eindrucksvoll, welche Ideen und Produkte es gibt, um Menschen mit Einschränkungen einen besseren Zugang zur Lebenswelt zu schaffen.


(be aware) winner 2021

LEIPS

Tara Monheim
Moritz Hartstang
Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

LEIPS ist das erste Spiel, welches Menschen mit Seh- oder Höreinschränkung, bis hin zu Erblindung oder Taubheit und Menschen ohne Einschränkung ermöglicht, miteinander zu kommunizieren. Die Spieler:innen erlernen das Buchstabieren mit Brailleschrift und lateinischen Buchstaben, sowie das Verständigen durch Gebärdensprache und können individuelle Aufgaben lösen. 

Mit dem manuellen Übersetzer kann Brailleschrift und lateinische Schrift analog übersetzt werden. Der Übersetzer stellt hierbei eine direkte Lösungskontrolle dar, welche durch den Mechanismus Begeisterung weckt. Durch die Spielkarten erlernt man die Ausführung und das Verstehen von Gebärdensprache.

Das Spielen von LEIPS führt zu einem Perspektivenwechsel, welcher Grundlage ist für eine inklusivere Gesellschaft.Das Spielen von LEIPS führt zu einem Perspektivenwechsel, welcher Grundlage ist für eine inklusivere Gesellschaft.

Die Semesterarbeit „LEIPS“ von Tara Monheim und Moritz Hartstang überzeugte die Jury, da das Thema Inklusion konzeptionell im Zentrum steht. Spielerisch und ohne Vorkenntnisse können Menschen mit verschiedenen Einschränkungen Barrieren aufgrund von Sprache und Schrift überwinden. „LEIPS“ basiert auf dem Format des Brettspiels und funktioniert ohne digitale Hilfsmittel für Kinder ab 9 Jahren. Als Gesellschaftsspiel regt es zur Kommunikation an, fördert einen Perspektivwechsel und initiiert gegenseitiges Lernen. Vor allem die Idee, über die Charakteristik einer bestimmten Einschränkung hinauszugehen und gemischte Teams unmittelbar zusammen zu bringen wurde positiv bewertet. Ebenso zeigt die Aufstellung von Materialverbrauch und Herstellungskosten, dass von den Studierenden eine umfassende Prüfung des Entwurfs mit verschiedenen Personengruppen angestrebt wird, um deren Feedback und Ideen einzuholen. Dieser Schritt soll durch die Auszeichnung beim Designpreis (be aware) unterstützt werden. So kann die Spielidee partizipativ weiterentwickelt und schließlich umgesetzt werden, um durch gegenseitiges Lernen und Verstehen Inklusion zu fördern. (Jurybegründung)


Jury

Samuel Koch

Schauspieler, Autor und ehemaliger Kunstturner

Es ist erstaunlich, was Menschen heutzutage (er)schaffen können! Jedoch wird Technik und Optik bei Hilfsmitteln und Produkten für die Teilhabe von Menschen bisher nur wenig in Einklang gebracht. — Unsere Augen sind für Schönes geschaffen!

Prof. Janina Schmidt

Prof.in für Digital Design, HfG Offenbach

Design hat die Verantwortung, die Vielfalt der Menschen und der Menschlichkeit zu berücksichtigen. Zu integrieren bedeutet, das Spezielle zu erkennen, um es als wertvollen Teil der friedlichen und humanen Kooperation zu verstehen und zu fördern.

David Wojcik

German Design Award Newcomer 2021, Co-Founder of Boxbote, Innoit und kroot

Gutes Design ist divers! Inclusive Design revolutioniert unsere Sichtweise in der Gestaltung. Keine Sonderlösungen, keine Umwege, sondern Innovation für alle, die ohne Kompromisse genutzt werden können.

Prof. Dr. Thilo Schwer

Studiendekan im Fachbereich in Wiesbaden, Interior Design, AMD

Der Design-Inclusion-Ansatz macht deutlich, dass wir vielen nicht gerecht werden, wenn wir im Gestaltungsprozess in erster Linie die Bedürfnisse der Mehrheit adressieren.

Sándor Klunker

Industrie Designer, Trainer, Berater und Vermittler in Kultur- und Bildungskontexten

Wir dürfen nicht unsere eigenen Fähigkeiten und Lebensumstände als Norm begreifen und zum Ausgangspunkt für das Design machen, sondern wir müssen die Perspektive aller mitdenken und deren Positionen in den Prozess einbeziehen. Nur so wird Inklusion überhaupt erst möglich und kann so zu einer neuen Norm führen.

Sema Gedik

Modedesignerin, Gründerin und CEO von AUF AUGENHOEHE

Ich lebe für Kommunikation und sehe mein Unternehmen als Community. Dort halte ich jeden Tag den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und unserer Unternehmensphilosophie. Am meisten begeistert mich aber die Möglichkeit, mich für etwas einsetzen zu können, dass die Welt offener und inklusiver macht.


(be aware) appreciated 2021

ORTO

Lukas Hartz

Hochschule der Bildenden Künste Saar

Der Langstock ist ständiger Begleiter und verlängerter Sehsinn für blinde Menschen. Jedoch werden mit herkömmlichen Modellen nur Hindernisse in Bodennähe wahrgenommen. Dinge, die in Kopfhöhe oder weiter weg liegen, schränken die freie und sichere Fortbewegung ein oder werden gar zur Gefahr. Auch zur Orientierung im Innenraum ist ein konventioneller Blindenstock oft mehr zusätzliche Herausforderung als nützliche Unterstützung.

ORTO scannt über ein Dauerstrichradar die Umgebung und übermittelt sie via Vibrations-Feedback an die blinden Nutzer:innen. Dabei liegt die Hauptinnovation in der mobilen Nutzung. Als kleines, handliches Tool kann ORTO den Stock überall dort ersetzen, wo er hinderlich ist oder zur Orientierung nicht ausreicht. Als Griff für den Langstock erfasst ORTO Dinge in Kopfhöhe. Das Vibrations-Feedback folgt dabei Intervallen, die sich in Häufigkeit und Intensität unterscheiden, je nachdem wie weit ein Hindernis entfernt liegt. Durch diesen gezielten Einsatz von haptischen Impulsen entsteht eine präzise Vorstellung der Umgebung.



Während des gesamten Projekts wurden blinde Menschen in die Entwicklung einbezogen und so zum Bindeglied zwischen intuitiver Gestaltung und Alltags-Expertise. Dieser soziale Gestaltungsansatz macht deutlich, dass Design im Kontext der körperlichen und sinnlichen Einschränkungen eine wesentliche Rolle einnehmen kann, um blinde Menschen aktiv im Alltag zu unterstützen.


(be aware) appreciated 2021

Coded Fairness Project

Mike Lehmann
Marina Rost
Vera Schindler-Zink
Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

Machine Learning wird in immer mehr Branchen genutzt, um komplexe Probleme zu lösen. Und obwohl Machine Learning oft einen signifikanten Mehrwert darstellt, so kann dessen Verwendung auch zu unerwünschten Nebeneffekten führen. Denn Diskriminierung durch Algorithmen ist bereits heute ein alltägliches Problem. Dadurch werden alte, tief in unserer Gesellschaft verankerte Ungerechtigkeiten in ein neues Medium übertragen und gefestigt. Ursache dafür sind Verzerrungen, sogenannte Biases, in den Algorithmen.

Das Coded Fairness Project gibt eine Antwort auf die Frage, wie Risiken und Lösungsräume in Bezug auf schädliche Biases innerhalb des ML Entwicklungsprozesses erkannt und genutzt werden können, sodass eine Entwicklung fairer Algorithmen gefördert wird. Kern des Coded Fairness Projects ist ein Workshop Toolkit für Entwicklerteams. Anhand von 14 Methoden setzen sich die Teilnehmer:innen mit ihren eigenen unbewussten Biases auseinander, werden angeleitet, ihre Arbeitsprozesse inklusiver zu gestalten und entwickeln eine individuelle Strategie, den Algorithmus fortlaufend zu testen.

Um eine Bias-sensible Entwicklung von Machine Learning Systemen zu fördern, macht sich das Workshoptoolkit die vier Prinzipien Bewusstsein, Verantwortung, Inklusion und Testen zunutze. Es verbindet konkrete Maßnahmen mit einem Fokus auf den Menschen hinter der Entwicklung, um eine nachhaltige Verbesserung zu erzielen.Um eine Bias-sensible Entwicklung von Machine Learning Systemen zu fördern, macht sich das Workshoptoolkit die vier Prinzipien Bewusstsein, Verantwortung, Inklusion und Testen zunutze. Es verbindet konkrete Maßnahmen mit einem Fokus auf den Menschen hinter der Entwicklung, um eine nachhaltige Verbesserung zu erzielen.


(be aware) appreciated 2021

Snug

Niklas Schmidt

Hochschule Hannover

Das Geschirrset Snug nimmt die Bedürfnisse von Arthritis-Patienten:innen in eine amorphe Formgebung auf. Das zum Greifen erforderliche Bewegungsmaß der Hand- und Fingergelenke wird auf ein Minimum reduziert, während die neutrale Achsenstellung des Handgelenkes gewährleistet bleibt. Hierfür wird ein großer Griffquerschnitt und das Fixieren mit Hilfe des sogenannten ‚Schlüsselgriffes‘ angeboten. Diese Griffart bleibt bei fortschreitendem Krankheitsverlauf am längsten schmerzfrei möglich, da sie das Stauchen entzündeter Gelenke vermeidet. Unterstützt wird diese Hauptfunktion durch die Griffigkeit der rauen Steinzeug-Keramik, die im Rahmen der Anzeichenfunktion an den zu greifenden Flächen unglasiert bleibt.



Die minimalistische Form vereint darüber hinaus weitere Ansprüche der Zielgruppe, wie Wandungshöhen und Wandungswinkel, die die beim Trinken oder der Besteck-Benutzung nötigen Gelenk-Auslenkungen gleichsam auf Schulter, Ellenbogen und das Handgelenk verteilen. Arthritis-Patienten:innen haben nicht weniger Kraft als gesunde Menschen. Sie stoßen beim Benutzen von Alltagsgängenständen aber an eine Schmerzgrenze, bevor sie Kraft in nötigem Maße aufbringen können, wenn diese Gegenstände nicht zu ihren Bedürfnissen passen.



Der Entwurf Snug zeigt, wie das Beachten von Bedürfnissen einer Benutzergruppe mit Einschränkungen zu einem Design führen kann, das auch gesunden Benutzern:innen eine angenehmere Bedienung ermöglicht.


(be aware) appreciated 2021

Vibeyes

Yudan Chen
Hochschule für Gestaltung Offenbach

Für Taubblinde ist die taktile Sprache die einzige Möglichkeit mit anderen Menschen zu kommunizieren. Beherrscht die weitere Person diese nicht, ist für jede Konversation eine dritte Person als Dolmetscher notwendig. Jedes Mal kann zwar der Inhalt ausgetauscht werden, aber die Emotion des/der Gesprächspartners:in, die immer als wichtiger Bestandteil einer Konversation angesehen wird, geht verloren. Manchmal entscheidet jedoch genau die Emotion in bestimmten Konversationen über die tatsächliche Bedeutung einer Äußerung. 

Mit Hilfe von Computer Vision und Mimikerkennung haben wir die Möglichkeit, den Gesichtsausdruck in ein emotionales Feedback in Echtzeit zu übersetzen und direkt an den/die Benutzer:in weiterzuleiten. Dies ermöglicht den Taubblinden, die emotionalen Informationen der anderen Gesprächspartner:innen in der Konversation zu empfangen. 

Die emotionale Information wird von einer Kamera erfasst und in ein Vibrationssignal umgewandelt, das von den Vibrationseinheiten auf dem Textil an den/die Benutzer:in übertragen wird. Mit einem kurzen Training kann der/die Anwender:in das emotionale Feedback leicht verstehen. Der Vorteil ist, dass die Ausgabeeinheiten in einer organisierten Matrix gruppiert sind und mehr Kapazität für verschiedene emotionale Signale haben.


Preisverleihung
im Ledermuseum
in Offenbach am Main